Grundwissen Digitalkameras

Bild des Benutzers Johannes Keller

Weihnachten steht vor der Tür und neben dem adventlichen Kerzenleuchten, Zimtgeruch und der Vorfreude auf das Christfest gilt es vielleicht noch, den ein oder anderen äußerst irdischen Geschenkwunsch zu erfüllen. Auf manchen Wunschzetteln findet sich das einfache Wort "Digitalkamera". Ein Blick in den Elektromarkt oder die entsprechenden Internetportalen zeigt, dass der Begriff erstaunlich viele reale Ausformungen hat: von 40€ bis 40.000€ kann man eine Digitalkamera erwerben. Winzig oder groß, weiß, schwarz, silbern, mit Sucher oder ohne, Wlan, GPS, Wechselobjektive, Batterie oder Akku, SD-Card oder CF-Speicher. Die Fachwörter sind zahlreich. Um wenigstens grundlegend zu wissen, in welchem Regalboard man weitersuchen sollte, hier einige Grundinfos.

Kompakt-Kamera

In diesem Segment findet man Handliches von ganz einfachen Einsteiger-Kameras bis hin zu gut ausgestatteten Kameras für ambitionierte Fotografen. Man kriegt bereits für wenige Euros Kameras, die ich aber nicht empfehlen würde. Sicherlich machen auch die Fotos und ich kenne nicht alle Produkte. Aber Preis-Leistung steigt für meinen Geschmack deutlich, wenn man statt 30€ lieber etwas mehr investiert. Man bekommt im Normalfall mehr Ausstattung und auch mehr Möglichkeiten, manuell Einstellungen vorzunehmen. Die Optiken werden ebenso besser wie auch die Displays. Statt Standard-Batterien, die extra und immer wieder neu zu erwerben sind, werden immer leistungsfähigere Akkus verbaut, die im Preis inkludiert sind.

Ab gut 100€ bekommt man schon ordentliche Fotoapparate, besonders wenn man gute Angebote sucht und findet. Testberichte können dann nochmal helfen, ein gutes Modell zu finden, wobei die großen Hersteller sich beim herrschenden starken Wettbewerb kaum grobe Schnitzer leisten können.

Es gibt auch Kompakt-Kameras für 500€. Diese haben dann meist sehr gute Optiken, robuste Gehäuse, Akkus mit Durchhaltevermögen und mit dem Profi-Bildformat Raw und manuellen Einstellungsmöglichkeiten Potenzial, wenn man nicht nur knipsen, sondern gestalten möchte.

Gleichwohl bleibt das Manko der Kompakt-Kameras, dass der Sensor sehr klein ist. Der Sensor übernimmt die Aufgabe des früheren Films. Je kleiner der Sensor, desto mehr muss das Datenmaterial für normale Ansichten "gestreckt" werden. Dies bedeutet einen eindeutigen Verlust an Bilddetails. Lassen Sie sich also nicht von den marktschreierischen Megapixel-Zahlen verführen. Weniger Megapixel und dafür ein etwas größerer Chip sorgen für bessere Bildqualität. Die teureren Kompaktkameras haben meist auch schon etwas größere Bild-Sensoren, aber die nächsten Rubriken haben hier noch bedeutend mehr zu bieten.

Bridge-Kamera

Bridge-Kameras verpacken aufgewertete Kompakt-Kamera-Technik in größere Gehäuse. Dadurch lassen sich mehr Bedienelemente gut positionieren. Ergebnis ist ein Kameramodell, dass vielleicht schon aussieht wie eine kleine Spiegelreflex-Kamera (DSLR), ähnliche Bedienung und Einstellmöglichkeiten bietet, aber preislich noch moderat ist. Denn unter der Haube werkelt die Technik ähnlich besserer Kompaktkameras. Bridge heißt Brücke und Bridge-Kameras sollen die Brücke zwischen Kompakt und Spiegelreflex herstellen. Zum Teil noch angereichert mit Optiken, die einen sehr großen Zoombereich anbieten. Trotzdem bleibt bei aller Bedienung, Einstellmöglichkeiten und Haptik ein Negativpunkt: Auch hier sind die Bildsensoren immer noch recht klein. Zudem bedeutet ein großer Zoombereich auch immer, dass man Kompromisse in der Bildqualität machen muss.

Allgemein gilt: Je größer der Zoombereich, desto größer der Kompromiss. Und das ist im Bereich Bildqualität kein positiv zu besetzendes Wort. An den Brennweitenenden muss man mit sichtbaren Verzeichnungen und Detailverlusten rechnen. Verzeichnung heißt, dass z.B. die Linien nicht mehr natürlich verlaufen. Dies kann nur bis zu einem bestimmten Grad korrigiert werden. Große Zoombereiche haben keinen Platz für solch eine Korrektur. Dann fallen im Weitwinkel Kirchtürme um und gerade Linien bekommen Kurven. Wenn man den Zoombereich nicht ganz ausreizt, dann kann man mit diesen Kameras für viele Dinge im Alltag gute Resultate erzielen. Die teils sehr brauchbaren Makro-Fähigkeiten sind noch ein Zuckerl obendrauf. Bei einer Spiegelreflex bräuchte man dafür wieder ein extra Objektiv.

System-Kamera

Die System-Kameras sind der jüngste Sproß der Kameraindustrie und Antwort auf den ewigen Wunsch von großer Bildqualität und Variabilität bei kleinem Packmaß. Mit den Spiegelreflexkameras (DSLR) teilen Sie die recht großen Bild-Sensoren und die Möglichkeit, über verschiedene 0bjektive immer das richtige Werkzeug für den gewünschten Zweck zu haben. So kann man den gewünschten Brennweitenbereich z.B. auf mehrere Zoomobjektive aufteilen und so eine deutlich bessere Bildqualität, Lichtstärke und Bildkorrektur erzielen. Nochmal steigern lässt sich die Bildqualität bei kleinem Packmaß mit einer so genannten Festbrennweite, d.h. einem Objektiv, das keine Zoommöglichkeit hat. Hier gibt es für die Systemkameras meist Pancake(=Pfannkuchen)- Versionen einer Standard-Brennweite, die für Spiegelreflex-Bildqualität bei Kompakt-Kamera-Größe sorgen. Der Reiz des kleinen Kameragehäuses bleibt so erhalten. Denn wenn ich ansonsten mehrere oder große Objektive mitnehme, dann brauche ich eine Fototasche, egal wie klein das Gehäuse (Body) ist. Ein kleines Immerdrauf-Objektiv zum Mitnehmen der Kamera in der Jackentasche macht also Sinn für die Momente, die ich nicht gänzlich dem Hobby Fotografieren verschreiben möchte. Trotzdem bleibt der Weg offen, mit anderen Objektiven richtig kreativ Bilder zu machen.

DSLR-Kamera

Mit der Klasse der digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR = digital single-lens reflex) sind wir nun in dem Bereich angekommen, wo auch die Einsteiger-Modelle neben automatischen Programmen viel Gestaltungsfreiheit geben. Mit recht großen Sensoren und Wechselobjektiven bekommt man viel Qualität und Freiheit, ohne dass es gleich ganz teuer werden muss. Mit Vollformat-Sensoren, Profi-Gehäusen und hochwertigen Objektiven kann man aber auch richtig viel Geld investieren. Los geht es ab gut 300 € mit den Einsteiger-Kameras inklusive einem einfachen Zoom-Objektiv, das meist zum Einstieg genügt und einen guten Brennweitenbereich abdeckt. Klassisch handelt es sich hier um 18-55mm-Objektive. Es sei angemerkt, dass man hier nicht die gleichen Millimeter-Angaben vorfindet wie in Filmzeiten. Da von Einsteiger- bis zum ambitionierten Hobbyfotografen-Modell meist so genannte APS-C-Sensoren verwendet werden, die kleiner als der herkömmliche Film sind, muss man den angegebenen Brennweitenbereich mit 1,5 oder 1,6 multiplizieren, um auf die früheren Brennweitenangaben zu kommen. (Ausnahme ist das so genannte 4/3-Format, das besonders Olympus benutzt. Hier ist der Multiplikationswert oder fachdeutsch: „crop-factor“ 2. Bei so genannten Vollformat-Sensoren, die nur in Kameras aus dem Semi-Profi bis Profi-Segment zu finden sind, ist der Bildsensor so groß wie beim Film. Hier gibt es keinen crop factor.)

Mein Favorit

Ich bin - mit Seitenblicken in die anderen Kategorien - absoluter DSLR-Fan. Deswegen sehe ich hier viele Vorteile: Bildqualität, niedriges Rauschen (Körnung) bei Aufnahmen mit hohen ISO-Werten bzw. wenig Licht, Tiefen(un)schärfe, Flexibilität mit verschiedenen Objektiven, unzählige Einstellmöglichkeiten zur Bildgestaltung bis hin zu manuellen Belichtung, Akkulaufzeit, Haptik, Bedienung et cetera. Die Nachteile liegen aber auch auf der Hand. Bei den Kompakt-Kameras greift man mit 500€ schon in die Oberklasse. Hier geht es im DSLR-Bereich erst richtig los. Mit einer guten Kompakten hat man einen interessanten Zoombereich und oft gute Makro-Fähigkeiten in der Jackentasche. Für das Gleiche braucht man bei der DSLR eine Fototasche, die man mitnehmen und tragen wollen muss.

Wenn man allerdings mal ein richtig gutes Foto mit der DSLR eingefangen hat, das trotz widrigem Licht einen tollen Verlauf von Schärfe und Unschärfe hat und das in der Raw-Entwicklung zu einem kleinen Kunstwerk geworden ist, dann ist es das für mich wert. Denn Tiefenschärfe hängt auch mit der Sensorgröße und der Lichtstärke der Objektive ab. Bei beidem haben die DSLRs die Nase vorn. Das überzeugt mich heute sehr. Denn fotografieren heißt: mit Licht schreiben.

Disclaimer

Vieles wäre noch zu erklären, zu präzisieren und zu sagen, aber diese Marginalie ist nun schon reichlich lange. Ergänzungen und Fragen also gerne in den Kommentaren.